05.12.2014
Pressemitteilung Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Internet: www.bund-mv.de
V.i.S.d.P.: Mathias Grünwald, BUND

Schwerin / Brüssel, 05.12.2014 (63-14)

Umweltpreis in Brüssel Europäischer Umweltpreis für Corinna Cwielag vom BUND Mecklenburg-Vorpommern in Brüssel

Mit dem Umweltpreis „12 Stars Award for Environment“ („12 Sterne Preis für die Umwelt“) ist Corinna Cwielag, BUND-Landesgeschäftsführerin in Mecklenburg-Vorpommern anlässlich des 40. Jubiläums des Europabüros der Umweltverbände (European Environmental Bureau – EEB) in dieser Woche in Brüssel ausgezeichnet worden. *

Der Umweltpreis des Europabüros der Umweltverbände in Brüssel wird an herausragende Personen vergeben, die in verschiedenen Gebieten außergewöhnliche Beiträge zu nachhaltigem Umweltschutz in Europa geleistet haben, unter ihnen auch Prince Charles of Wales. Zum 40. Jubiläum des EEB erhielten die Auszeichnung in dieser Woche Christer Ågren aus Schweden für sein Engagement gegen den Sauren Regen, Janez Potočnik aus Slovenien, ehemaliger EU-Umweltkommissar, für seinen Wissenschaftsbeitrag zur Förderung der ökologischen Nachhaltigkeit, Marc Pallemaerts aus Belgien für seinen Beitrag zur Stärkung des Umweltrechts in Europa und Corinna Cwielag vom BUND Mecklenburg-Vorpommern.

Corinna Cwielag vom BUND Mecklenburg-Vorpommern wurde für Ihr Engagement zum Erhalt des Europäischen Grünen Bandes im Bereich der Ostseeküste mit dem Ziel, unbeeinflusste, wertvolle Küstenlandschaften zu erhalten, für die Betreuung bürgerschaftlichen Widerstandes gegen den Bau neuer Massentierhaltungsanlagen sowie für die Initiative zum den Erhalt der ostdeutschen Alleen ausgezeichnet. Ausschlaggebend für die Nominierung war unter anderem der Erfolg der Initiativen.

„Wir freuen uns, dass unser erfolgreiches Engagement und insbesondere das von Corinna Cwielag gewürdigt wird. Gemeinsam haben wir uns außerordentlichen Herausforderungen wie Kiesabbau im Naturschutzgebiet der Küstenlandschaft, einem Steinkohlekraftwerk am Greifswalder Bodden, den Bedrohungen für Menschen im ländlichen Raum durch Massentierhaltungsanlagen und dem Erhalt von Kulturerbe wie den Alleen gewidmet. Mehrfach haben wir uns bis nach Brüssel wenden müssen, um geltendes Naturschutzrecht umsetzen zu können!“ sagte der BUND-Landesvorsitzende Prof. Dr. Mathias Grünwald heute in Schwerin.

Corinna Cwielag: „Ich gebe die außerordentliche Ermutigung durch diesen Preis gerne weiter an alle Mitstreiter vor Ort! Gemeinsam konnten wir es schaffen, dass wertvolle Natur, die wir zum Leben brauchen an vielen Orten erhalten wird.“

* http://www.eebconference.eu/12-stars-award/

 

Pressemitteilung 26.04.2012

Bürgerinitiative warnt vor Auszahlung von EU-Beihilfen für Hähnchenmastanlagen in Klein Daberkow

Die Bürgerinitiative Pro Landleben Brohmer Berge rät der Landesregierung, die beantragten Beihilfen für die geplanten Hähnchenmastanlagen mit 400 000 Mastplätzen in Klein Daberkow bei Strasburg nicht auszuzahlen. Zum einen bestehe keine Rechtssicherheit, denn der BUND werde aufgrund gravierender Umweltprobleme in absehbarer Zeit –nachdem das laufende Widerspruchsverfahren abgeschlossen sein wird- Klage erheben. Die Genehmigungsbehörde habe u.a. betroffene Vorkommen von europäisch geschützten Biotope und Arten im Nahbereich wie den Fischotter ignoriert.

Zum anderen sieht die Bürgerinitiative weiterhin den Tatbestand der Erschleichung von Beihilfen als erfüllt an. Das Projekt sei nachweislich in funktioneller wie in wirtschaftlicher Hinsicht ein einziges Vorhaben. Um die maximalen Beihilfen auszuschöpfen, sei es in zwei vordergründig eigenständige Unternehmen aufgespalten worden: „Es liegt auf der Hand, dass zwei Agrar-Unternehmen, die u.a. an derselben Adresse in Woldegk firmieren, die über Abnahmeverträge für den anfallenden Mist eng verflochten sind, und die durch eine einzige Bank finanziert werden, nicht unabhängige Marktakteure sein können“, so die Bürgerinitiative.

Die Landesregierung habe alle sachlichen Argumente beseitegeschoben. Daher werde man den Fall exemplarisch der EU-Kommission in Brüssel und dem Landesrechnungshof vorlegen. Die erklärten Ziele der europäischen Agrarförderung, würden im Land bestimmungswidrig umgesetzt, so dass Massentierhaltung in riesigen Hallen und spekulative Investoren, in diesem Fall ein niederländischer Hedgefond, in den Genuss von millionenhohen Subventionen gelangten.

„Es ist nicht einzusehen, dass die Steuerzahler solche Anlagen auch noch mitfinanzieren, obwohl enorme Umweltprobleme und keinerlei Arbeitsplatzeffekte zu erwarten sind. Das Projekt hätte nie genehmigt werden dürfen, und darf nicht gefördert werden.“ so die Bürgerinitative Pro Landleben Brohmer Berge.

Unterdessen wurde bekannt, dass, nachdem die Fusion mit der Unternehmensgruppe Gebr. Stolle GmbH  (Umsatz 2010: 340 Millionen Euro) abgeschlossen ist, von einem Bau einer Brüterei in Woldegk abstand genommen wurde. Die Gebr. Stolle GmbH, die rund 100 Millionen Hähnchen pro Jahr verarbeitet und eine bedeutende Marktposition einnimmt, verfügt bereits über eine Brüterei in Brenz bei Neustadt-Glewe. In dem Stolle-Schlachthof in Gudensberg bei Kassel soll die Schlacht-Kapazität von 90.000 auf 180.000 Tiere täglich ausgebaut werden.

Die AbL (Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in dem Verdrängungskampf der Geflügelkonzerne Wesjohann-„Wiesenhof“, Sprehe, Rothkötter und Plukon derzeit ruinöse Überkapazitäten geschaffen werden, deren Überschüsse in den nächsten zehn Jahren jegliche rentable Produktion verhindern würden. Schon jetzt mache selbst das obere Viertel aller Mäster jährlich etwa 9000 Euro Verlust in einem 40 000er Stall, der Durchschnitt der Mäster sogar 27 000 Euro.

 

Pressemitteilung 25.01.2012
Keime aus Massentierställen sind auch in grosser Entfernung nachweisbar – BI fordert Filtereinbau

Nach dem Dioxin-Skandal Anfang 2011, dem Skandal um die Fa. Wiesenhof, den nachgewiesenen hohen Dosen an Antibiotika in der Tiermast und dem gerade vom BUND aufgedeckten Skandal um MRSA- und ESBL-Keimen in Hühnerfleisch, gibt es diese Woche eine neue Untersuchung, die die gefährliche Keimbelastung im weiten Umfeld von Hähnchenmastanlagen bestätigt.

Über die Abluft von Intensivtierhaltungen gelangen antibiotikaresistente Keime in die Umwelt, befinden sich am Boden und auf Pflanzen und können die Gesundheit von Anwohnern gefährden. So lautet das Ergebnis einer Analyse eines Hamburger Labors. Der BUND bewertet die Funde als besorgniserregend, da die Keime unter anderem auch in Gärten eingetragen werden und über Rohkost wie Karotten oder Salate in die Nahrungskette gelangen können. Eine Richtlinie für Abstandsauflagen und Vorschriften für Luftfilter in Intensivtierhaltungen liegt Bund und Ländern auch seit geraumer Zeit vor. Nur wurde sie bisher nicht in Kraft gesetzt. Dies müsse umgehend nachgeholt werden. Antibiotikaresistente Keime dürften nicht weiter über die Stallabluft in Gärten und Lebensmittel gelangen.

Es sind demnach ernsthafte Indizien vorhanden, die in ausländischen Studien längst wissenschaftlich belegt worden sind: Keime aus Massentierställen sind in weit aus größerer Entfernung nachweisbar, als bisher angenommen.

Die Bürgerinitiative Pro Landleben Brohmer Berge fordert deshalb erneut
von der Genehmigungsbehörde und der Politik im Interesse der Gesundheit der Menschen, dass für die geplanten Riesenmastanlagen in Klein Daberkow Filteranlagen zur Auflage gemacht werden. Das erst recht, wo diese durch öffentliche Steuergelder in Millionenhöhe gefördert werden sollen.

„Die Förderungen aus Steuergeldern für Hähnchenmastanlagen müssen an Maßnahmen für die Allgemeinheit gekoppelt sein, also z.B. an den Einbau von Bio-Filtern.“ so die Bürgerinitiative. Es sei eigentlich Aufgabe der gewählten Vertreter in Politik, Ämtern und Gemeinden diesen minimalen Schutz nach dem Stand der Technik zu gewährleisten. Und das insbesondere in einem Urlaubsland, dass sich als Gesundheitsland Nr. 1 vermarktet.

Dass es für Hühnermastställe zertifizierte und zugelassene Filtertechnik gibt, die dem Stand der Technik entspreche, sei jedem, der sich mit dem Thema befasse bekannt.

„Wir sind nicht gegen die Landwirtschaft oder gegen die Bauern“, versichert die Bürgerinitiative, „aber gegen Agrarfabriken, die –obwohl belastbares Material vorliegt- noch schnell ein Projekt „durchziehen“ wollen, bevor der Staat wie zukünftig zu erwarten durch neue Auflagen gegensteuert.“

Anhang

1. Anhang : Richtlinie VDI „Entwurf der Richtlinie VDI 4250 „Umweltmedizinische Bewertung von Bioaerosol- Immissionen“ – Mögliche Konsequenzen für Tierhaltungsanlagen

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) ist die größte Vereinigung von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern in Deutschland. Die Fachgremien des VDI leisten technisch-wissenschaftliche Arbeit bei Normierungen.
Der VDI hat ein technisches Regelwerk aufgebaut, das heute mit über 1700 gültigen VDI-Richtlinien das breite Feld der Technik weitgehend abdeckt.

2. Anhang : Filtersysteme

Weitere Infos
BUND weist resistente Keime im Boden nach
http://www.bund.net/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/antibiotikaresistente-keime-in-umgebung-von-haehnchenmastanlage-in-niedersachsen-nachgewiesen/

Pressemitteilung 30.11.2011

Bürger Initiative Pro Landleben Brohmer Berge

Gegner klagen gegen zwei Hähnchenmastanlagen

Die Gegner der zwei grössten Hähnchenmastanlagen mit gesamt 3,2 Mio. Hähnchen pro Jahr in Klein Daberkow, Mecklenburg-Vorpommern werden juristischen Widerspruch gegen den Bau einlegen.
„Nach wie vor sind viele Sachverhalte, die für einen rechtmäßigen Bau erforderlich wären, ungeklärt, manche gar unrechtens“. So dürfe nach geltendem Gesetz einer der Antragsteller gar keine Baugenehmigung im Außenbereich erhalten, da er nachweislich
kein Landwirt ist. Vielmehr ist Martijn Ritzema seit vielen Jahren als Geflügelexperte bei der Futtermittelfirma Strahmann und deren Mutterfirma, der holländischen Agrifirm beschäftigt.

Für die Bürgerinitiative ist es offenkundig, dass Martijn Ritzema im Auftrag von Agrifirm handelt und damit im Auftrag des holländischen Plukon Konzern, dessen Eigenkapital mehrheitlich von einem Fonds der niederländischen Investment-
Gesellschaft Gilde Buy gehalten wird.

Ungewöhnlich sei nach Aussagen der Bürgerinitiative bereits gewesen, dass an der Anhörung durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) im Mai 2010 auch der damalige Geschäftsführer der Futtermittelfirma Strahmann/Agrifirm Ulrich Strätker teilnahm und sich mehrfach äußerte. Während Herr Ritzema als Antragsteller der Hähnchenmastanlagen schwieg. Es handele sich bei beiden Anlagen um Großanlagen der Intensivtierhaltung, die nicht als landwirtschaftliche, sondern als gewerbliche Tierhaltungsbetriebe betrieben werden sollen.

„Wir haben es hier in Wahrheit mit einem Firmengeflecht der Finanzbranche zu tun, bei dem das Abgreifen von Subventionen zum Geschäftsmodell gehört und dem es –wie man dieser Tage leidlich überall sehen kann- ausschließlich um die schnelle
Maximierung der eigenen Gewinne geht. Durch die millionenhohen Fördermittel vom Land Mecklenburg-Vorpommern werden die Risiken jedoch über die Steuerzahler sozialisiert. Das kann nicht sein“ so die Bügerinitiative Pro Landleben Brohmer Berge.
Während die Kommunen ächzen, werde hier einem global agierenden Finanzunternehmen Fördermittel hinterhergeworfen – und das unrechtmäßig. Beide Anlagen wurden künstlich getrennt, sind aber ein und demselben Vertragspartner verpflichtet, nämlich dem Konzerngeflecht.
Der Landwirt Friedrich-Ernst Wilfarth spiele hierbei lediglich die Rolle eines Strohmanns, da ohne Beteiligung eines Landwirts gar nicht gebaut werden dürfte und keine Fördermittel beantragt werden könnten.

Nicht nur die Bürgerinitiative glaubt, dass das Vorhaben künstlich in zwei Firmen aufgeteilt worden ist, um Fördermittel vom Land unrechtmäßig zu erhalten. Unterstützt von der Bürgerinitiative wurde deshalb Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Die Gegner hoffen auf Rechtstaatlichkeit, so dass die von ihnen angezeigten Missstände von der Staatsanwaltschaft vorurteilsfrei und ungeachtet politischer Versprechungen bearbeitet und aufgeklärt werden.

In Neustrelitz soll zeitgleich ein Schlachthof durch die Friki GmbH reaktiviert werden, sie ist ebenfalls eine Tochterfirma des Plukon Konzern und damit der niederländischen Investment-Gesellschaft Gilde Buy.

Auch der Evangelische Kirchenkreis Stargard und die Deutsche Wildtierstiftung haben sich mehrfach gegen den Bau der Hähnchenmastanlagen ausgesprochen und setzen sich wie die Bürgerinitiative für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ein. Dazu gehört etwa die ökologische Produktion und regionale Vermarktung
von Fleisch und nicht eine mit Steuergeldern subventionierte Industrie, die darüber hinaus von Fondsgesellschaften gesteuert wird.

 

Pressemitteilung 9.9.2011
Bürger Initiative Pro Landleben Brohmer Berge

Strafanzeige gegen Investoren gestellt!

Mit Unterstützung der Bürgerinitiative Pro Landleben Brohmer Berge (BI) und ihrem Anwalt haben mehrere Personen Strafanzeige gegen die Investoren der Hähnchenmastanlagen in Klein Daberkow bei der Staatsanwaltschaft Schwerin wegen des Verdachts auf Fördermittelbetrugs gestellt.

Aus den Unterlagen zur Genehmigung der Hähnchenmastanlagen mit 3,2 Mio. Hähnchen pro Jahr in Klein Daberkow gehe hervor, dass das Investitionsvorhaben künstlich in zwei Firmen –die Mecklenburger Hähnchen GmbH und die Kreckower Agrar GmbH- geteilt wurde, um so die maximale Fördersumme abzuschöpfen und Förderhöchstgrenzen zu umgehen.

Laut Minister Backhaus (SPD) werden nur Anlagen mit einer maximalen Investitionssumme von 2 Mio. Euro gefördert. Die acht geplanten Mastanlagen in Klein Daberkow wären danach aufgrund des zu hohen Investitionsvolumen nicht förderfähig.

„Würden die nebeneinander liegenden Mastanlagen und an einer Adresse gemeldeten Firmen zusammen behandelt werden, würden die Investoren vom Land Mecklenburg-Vorpommern keine Subventionen erhalten dürfen. Die formale Aufteilung der Gesamtanlage in zwei unterschiedliche Antragsteller ist eine offensichtliche Umgehung des Fördermittelrechtes.

Dieses erinnert uns schon sehr an den aktuellen Fall der Yachthafenresidenz Hohe Düne.“ so die Bürgerinitiative.

Nutznießer sind Agrarindustrie-Konzerne

Es handle sich bei den beiden geplanten Mastanlagen in Klein Daberkow um ein Konstrukt der agroindustriellen Wertschöpfung in deren Hintergrund der holländische Hedge-Fonds Anbieter Gilde Buy Out und dessen Tochterunternehmen der holländische Plukon Royale Konzern stehen. Das wirtschaftliche Risiko wird für diese durch umfangreiche Fördergelder minimiert, die Kosten sozialisiert und auf den Steuerzahler umgelegt.

Darüber hinaus sei grundsätzlich zu hinterfragen, ob es sinnvoll ist, einen Betrieb, bei dem lt. Antragsunterlagen 0,5 Arbeitsplätze neu entstehen sollen, in Millionenhöhe mit Steuergeldern zu subventinieren.

Auch die GutsGold Nord Geflügelgesellschaft mbH in Grimmen (Nordvorpommern) –eine Tochter der französischen Doux Gruppe- soll unrechtmäßig Subventionen in Höhe von 4,7 Mio. Euro erhalten haben.

Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen und werden den Klageweg beschreiten!“ teilte die Bürgerinitiative mit.

(Anlage: PM Till Backhaus)

 

Pressemitteilung 7.4.2011
Bürger Initiative Pro Landleben Brohmer Berge

Einseitige Unterstützung von Massentierhaltung

Entgegen den Wünschen von Bürgern und Verbrauchern unterstützten Behörden und Ämter einseitig den Ausbau der Massentierhaltung.

So wurde im Falle der umstrittenen Hähnchenmastanlagen Kuppentin und Klein Daberkow die Zulassung des vorzeitigen Beginns von Erd- und Erschliessungsarbeiten genehmigt, obwohl die hauptsächlichen Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen sind und in beiden Fällen zahlreiche Mängel nachgewiesen wurden.

Erst kürzlich legte die Bürgerinitiative Pro Landleben Brohmer Berge und der BUND deshalb auf 52 Seiten umfassenden juristischen Widerspruch gegen die vorgezogenen Erd- und Erschliessungs-arbeiten in Klein Daberkow ein. Trotz zahlreicher nach europäischem Recht geschützter Biotope im Umfeld sei z.B. keine Verträglichkeitsprüfung durchgeführt worden. Weitere Prüfungen, die eine mögliche Genehmigung erst rechtssicher machen, seien unterblieben. Darüber hinaus ignorieren der BI und dem BUND zufolge die beteiligten Behörden und Ämter Hinweise, u.a. dass in der Allee an der Anlagenzufahrt eine streng geschützte Wildblumenart wächst.

Ärger und Enttäuschung vermehren sich bei den Anwohner der Gemeinden, haben sie doch das Gefühl, dass Ihre Besorgnisse und Einwände nicht ernst genommen werden.

So zeige sich zudem bereits wenige Wochen nach Beginn der Erdarbeiten, dass die Straßen und Borde an manchen Stellen durch die Baufahrzeuge stark beschädigt wurden. Und natürlich nehmen die LKW Routen, die sie eigentlich nicht nutzen dürften. „Schon heute sehen wir, dass der LKW-Verkehr, wie er durch die Anlagen entstehen würde, auf den vorhandenen Strassen nicht möglich sein wird.“ so die BI. „Und wer soll Reparatur oder Ausbau der Straßen finanzieren?“

Allein für den Bau der Hähnchenmastanlagen in Klein Daberkow sollen die beiden Antragsteller jeweils 25% an Subventionen aus Steuergeldern erhalten, also gut 1 Mio. Euro.

„Es ist nicht einzusehen, dass die Bürger solche Anlagen auch noch mitfinanzieren, obwohl nur Nachteile zu erwarten sind.“

Die Bürgerinitiative richtete sich nun erneut an den Landrat und das Amt Woldegk und forderte diese in einem Brief auf, sich für das Wohl und im Sinne aller Bürger einzusetzen. Darüber hinaus sind entgegen den Behauptungen der Antragsteller die geplanten industriellen Mastanlagen keineswegs „das Neueste vom Neuen“ und auch nicht „das Modernste, was in Europa gebaut wird“. Vielmehr werden die Anlagen in den Antragsunterlagen als „zufriedenstellend“ bezeichnet. Dementsprechend sind auch keine Bio-Filter vorgesehen, die die Anwohner und die Umwelt vor den gefährlichen Stäuben und Keimen schützen würden.

„Die Subventionen aus Steuergeldern für die Anlagen sollten aber an Maßnahmen für die Allgemeinheit gekoppelt sein, also z.B. an den Einbau von Bio-Filtern. Es ist eigentlich Aufgabe der gewählten Vertreter in Politik, Ämtern und Gemeinden diesen minimalen Schutz nach dem Stand der Technik zu gewährleisten.“

Die BI sieht sich durch die Worte von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos bestätigt, der am Mittwoch bei einem Treffen mit Agrarminister Till Backhaus in Rogeez sagte, man müsse der Bevölkerung transparent machen, wofür öffentliche Gelder ausgegeben werden. Ebenso plädierte er für eine Differenzierung zwischen Kooperativen, die ähnlich wie Familienbetriebe wirtschaften, und Kapitalunternehmen. In Klein Daberkow ist es der holländische Investmentfondanbieter `Gilde Buy Out´ der über Private Equity Fonds Geld für die Hähnchenmastanlagen bei finanzkräftigen Anlegern akquiriert.

Pressemitteilung vom 22.2.2011

Baustopp von Megamastställen und dringende Apelle dort, hohe Subventionen und Vorab-Zulassungen hier

Während anderswo Baustopps für die neuen Megamastställe verhängt werden und Gegenargumente sowie Besorgnisse ernst genommen werden, werden derzeit in Mecklenburg-Vorpommern vorzeitige Baugenehmigungen für Mega-Mastanlagen wie in Kuppentin bei Plau am See und in Klein Daberkow in den Brohmer Bergen erteilt, obwohl das eigentliche Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Die Aussetzung von Genehmigungen von Mega-Tiermastanlagen haben dagegen in der letzten Woche nicht nur holländische Abgeordnete mehrheitlich gefordert, in dieser Woche steht im Bundestag ein ähnlicher Antrag von Bündnis 90/ Die Grünen zur namentlichen Abstimmung an und in Niedersachsen gibt es einen solchen Genehmigungsstopp bereits. Die Landkreise Emsland, Vechta und Oldenburg haben einen Genehmigungsstopp verhängt, solange die Investoren keine Gutachten über die Verbreitung von Keimen und über die Rettung der Tiere im Brandfall vorlegen können.

„In Mecklenburg-Vorpommern wird hierauf kein Wert gelegt; stattdessen werden die industriellen Mastanlagen aus Steuergeldern in Millionenhöhe bezuschusst und zweifelhafte Unternehmenskonstellationen gefördert.“ so die Bürgerinitiative Pro Landleben Brohmer Berge.

Es ist für die Bürgerinitiative vollkommen unverständlich, dass in Mecklenburg-Vorpommern für die beiden Massentierhaltungsanlagen vorzeitiger Baubeginn erteilt wurde, obwohl von Juristen, Sachverständigen, Naturschutzverbänden und Bürgern berechtigte Einwände vorgetragen wurden und Mängel in den Anträgen der Investoren nachgewiesen wurden. Belegt werden diese u.a. mit Studien des Umweltbundesamtes (UBA). Das Umweltbundesamt fordert dringend eine Agrarwende. „Dass wir mit immer größerem industriellen Aufwand die Tierproduktion vorantreiben und dadurch die Ökosysteme aus den Fugen bringen, ist ein falscher Weg.“ sagt der UBA-Präsident Jochen Flasbarth.

Offenbar misst die Politik in Mecklenburg-Vorpommern jedoch weder dem Umweltbundesamt noch den Einwänden und Mängeln sowie der gesellschaftliche Ablehnung gegenüber agrarindustriellen Mega-Tierfabriken eine Bedeutung bei.

Auch Massnahmen, wie etwa Filter in die Anlagen einzubauen, die die Bürger vor gefärlichen Stäuben und Keimen aus den Massentierhaltungsanlagen schützen würden, würden in Mecklenburg-Vorpommern nicht gefordert werden.

„Es ist nicht einzusehen, dass die Bürger solche Anlagen auch noch mitfinanzieren, obwohl nur Nachteile für sie zu erwarten sind. Gegen die 400.000er Hähnchenmastanlage in Klein Daberkow wird auf jeden Fall Klage eingereicht werden“ so die Bürgerinitative Pro Landleben Brohmer Berge.

Mittlerweile haben in Deutschland auch über 450 Wissenschaftler und 25.000 weitere Unterzeichner einen Ausstieg aus der unverantwortlichen agrarindustriellen Massentierhaltung gefordert.